Musikgeschichte
Alfonso’s Live Music Club: der Blues-Club an der Münchner Freiheit
Über Jahre hinweg war eine Adresse in Schwabing die verlässlichste Bühne für Blues und Rhythm & Blues in München. Was dort lief, wo der Club lag und was von ihm geblieben ist.

Die Adresse: Münchner Freiheit, hinter dem Kaufhaus
Der Club lag im Norden Schwabings, unmittelbar an der U-Bahn-Haltestelle Münchner Freiheit und direkt hinter dem Kaufhausgebäude an der Nordseite des Platzes, das früher Hertie hieß und später Karstadt. Erreichbar war er mit den Linien U3 und U6 sowie mit den Buslinien 33, 43, 54 und 85; wer mit dem Auto kam, stellte im Parkhaus in der Occamstraße oder auf dem öffentlichen Parkplatz an der Münchner Freiheit ab.
Diese Lage erklärt einen Teil des Erfolgs. Die Münchner Freiheit ist einer der wenigen Punkte in der Stadt, an dem spät nachts noch etwas fährt, und Schwabing war über Jahrzehnte das Viertel, in dem Publikum ohne Plan unterwegs war. Ein Club, der dort liegt, füllt sich auch an einem Dienstag.
Blues und Rhythm & Blues, als beides kaum eine Bühne fand
Die Rolle des Hauses lässt sich am Programm ablesen, das andere über es geschrieben haben. In den Konzertlisten von Blues- und Harmonika-Foren, in den Terminkalendern von Bands und in den Verzeichnissen der Münchner Livekultur taucht der Name über viele Jahre auf, und fast immer in derselben Kategorie: Blues, Rhythm & Blues, Boogie, gelegentlich Rockabilly und Soul.
Das war in München keine Selbstverständlichkeit. Jazz hatte feste Häuser, Rock und Independent hatten die Jugendzentren und die großen Säle, aber Blues lief meist als Reihe in einem gemischt programmierten Laden. Eine Adresse, an der man ohne Blick in den Kalender davon ausgehen konnte, dass etwas in dieser Richtung gespielt wird, gab es kaum ein zweites Mal.
Getragen wurde das von Bands aus der Region, die mehrmals im Jahr wiederkamen, und von internationalen Musikern auf Durchreise, für die ein Abend in einem Club dieser Größe zwischen zwei Festivalterminen passte.
Ein Club als Institution: Stammpublikum, Programmzettel, Fotogalerie
Was ein Haus zur Institution macht, ist selten die Größe. Es sind die Wiederholungen: dieselben Bands über Jahre, ein Stammpublikum, das sich kennt, ein Programmzettel, den Leute aufheben, und Fotos von Abenden, die jemand sortiert und aufbewahrt. Der Club hatte all das, einschließlich eigener Fotogalerien einzelner Konzertjahre und eines Blues-Festivals, das seinen Namen trug.
Genau daran lässt sich seine Reichweite heute noch messen. Wer nach dem Namen sucht, landet nicht in Datenbanken, sondern in Musikerforen, auf Bandseiten und in privaten Konzertchroniken. Das ist die Art Nachwirkung, die ein Veranstaltungsort nur bekommt, wenn Leute ihn als ihren Ort verstanden haben.
Schwabing als Voraussetzung
Ein Club dieser Art war an dieser Stelle kein Zufall. Schwabing hatte über Jahrzehnte, was eine Livebühne braucht: Publikum, das ohne Plan unterwegs ist, Mieten, die für einen Saal noch reichten, und eine Nachbarschaft, die abends Betrieb gewohnt war. Dazu die Münchner Freiheit als Verkehrsknoten, an dem nachts noch etwas fährt.
Diese Voraussetzungen haben sich in genau der Reihenfolge verändert, in der sie aufgezählt sind. Erst kamen die Mieten, dann die Nutzungen: aus Läden wurden Filialen, aus Werkstätten Büros, aus Sälen Flächen. Das Publikum blieb am längsten, aber ein Publikum allein trägt keinen Betrieb.
Wer die Geschichte des Hauses erzählt, erzählt deshalb auch die des Viertels. Die Frage, warum es an dieser Adresse funktioniert hat, ist zugleich die Antwort darauf, warum es dort heute nicht mehr funktionieren würde.
Was heute an dieser Stelle ist
Der Club spielt nicht mehr. Die Münchner Freiheit hat sich verändert, das Kaufhaus an der Nordseite ist Geschichte, und die Räume hinter dem Platz haben andere Nutzungen gefunden. Das ist der übliche Verlauf: Musiklokale in München enden meistens nicht mit einem Knall, sondern mit einem Mietvertrag.
Für die Blues-Szene der Stadt hat das eine konkrete Folge. Was an einer Adresse gebündelt war, verteilt sich jetzt auf einzelne Reihen in gemischt programmierten Häusern und auf Festivaltermine. Wer heute in München Blues live hören will, muss suchen, wo er früher nur hingehen musste. Eine Übersicht der Häuser, die aktuell live spielen lassen, steht bei den Musiklokalen der Stadt.
Häufige Fragen
Wo lag Alfonso’s Live Music Club genau?
In München-Schwabing an der Münchner Freiheit, direkt hinter dem Kaufhausgebäude an der Nordseite des Platzes. Der Postleitzahlbereich war 80802.
Wie war der Club zu erreichen?
Mit der U-Bahn über die Linien U3 und U6 bis Münchner Freiheit, dazu die Buslinien 33, 43, 54 und 85. Parken war im Parkhaus in der Occamstraße oder auf dem öffentlichen Parkplatz an der Münchner Freiheit möglich.
Welche Musik lief in dem Club?
Der Schwerpunkt lag über Jahre auf Blues und Rhythm & Blues, dazu Boogie, Soul und gelegentlich Rockabilly. Getragen wurde das Programm von Bands aus der Region und von internationalen Musikern auf Durchreise.
Gibt es den Club noch?
Nein. Der Betrieb ist eingestellt und die Räume haben andere Nutzungen. Die Domain trägt den Namen weiter, gehört aber nicht zum früheren Betrieb und wird heute als Stadtmagazin für München geführt.
Wo hört man in München heute Blues live?
Nicht mehr an einer festen Adresse, sondern in Reihen innerhalb gemischt programmierter Häuser und auf Festivals. Die Häuser mit eigener Kuration sind dafür die beste Spur.
Warum heißt die Domain nach dem Club?
Der Name ist mit der Domain verbunden und wurde beim Aufbau dieses Stadtmagazins beibehalten. Die Seite gehört nicht zum früheren Clubbetrieb und wird redaktionell als Magazin über München geführt.
Welche Bands haben in dem Club gespielt?
Getragen wurde das Programm von Blues- und Rhythm-&-Blues-Bands aus dem Münchner Umland, die regelmäßig wiederkamen, dazu internationale Musiker auf Durchreise. Einzelne Termine tauchen bis heute in Konzertlisten von Bands und in Musikerforen auf.
Gab es in dem Club ein eigenes Festival?
Der Name des Hauses ist mit einem Blues-Festival verbunden, dessen Vorschauen und Plakate erhalten sind. Es war an den Club gebunden und endete mit ihm.
Was ist heute an der Münchner Freiheit?
Der Platz ist weiterhin ein Verkehrsknoten mit U-Bahn-Halt, Gastronomie und Handel. Das Kaufhausgebäude an der Nordseite, hinter dem der Club lag, ist Geschichte; die Flächen dahinter haben andere Nutzungen gefunden.
Warum haben so viele Münchner Clubs geschlossen?
Meist aus demselben Grund: ein Mietvertrag läuft aus, die Fläche wirft als Büro oder Wohnung mehr ab, und eine Lärmschutzauflage macht die Verlängerung teuer. Selten ist es das Publikum, das ausbleibt.
Wo kann man alte Konzertplakate aus München sehen?
Einzelne Bestände liegen bei den Häusern selbst, weiteres in den Sammlungen der Stadt und in privaten Chroniken von Musikern. Eine zentrale Sammlung der Münchner Clubgeschichte gibt es nicht.
Was war typisch für einen Abend in dem Club?
Ein Konzert an einem Wochentag, ein Publikum, das sich kannte, zwei Sets und Betrieb an der Bar dazwischen. Das ist die Form, in der Blues in Clubs dieser Größe funktioniert, und sie unterscheidet sich deutlich von einem Saalkonzert.
Ist Schwabing noch ein Musikviertel?
Weniger als früher. Die kleinen Bühnen sind seltener geworden, die Gastronomie dominiert. Für Livemusik ist heute die Isar-Achse und das Werksviertel dichter besetzt als der Norden Schwabings.
Kann man die Geschichte des Clubs irgendwo nachlesen?
In Konzertlisten von Bands, in Musikerforen und in den Terminarchiven der Münchner Livekultur tauchen einzelne Abende auf. Eine zusammenhängende Darstellung existiert nicht, weshalb diese Seite zusammenträgt, was belegt ist.