alfonsos.deMünchen, Musik & Menschen

Wirtschaft & Unternehmen

Unternehmen in München: die Wirtschaft der Stadt und ihre Arbeitgeber

München trägt mehr Konzernzentralen als jede andere deutsche Stadt ihrer Größe. Diese Spur sortiert, wer hier tatsächlich sitzt und wer nur ein Büro hat.

Bürotürme eines Geschäftsviertels im Abendlicht mit Tramlinie davor
Sitz und Standort sind zwei verschiedene Dinge, und das entscheidet fast alles.

Sitz oder Standort: der Unterschied, der alles erklärt

Fast jede Liste Münchner Unternehmen mischt zwei Dinge, die nicht zusammengehören. Ein Unternehmen mit Sitz in München wird von hier geführt: die Entscheidungen, die Zentralfunktionen und die Steuern liegen in der Stadt. Ein Standort ist ein Büro, oft groß, manchmal das größte des Konzerns in Europa, aber weisungsgebunden.

Der Unterschied ist nicht akademisch. Er bestimmt, wie viele hoch bezahlte Stellen wirklich hier hängen, wie krisenfest sie sind und was passiert, wenn die Konzernstrategie sich ändert. Deshalb trennt diese Spur die beiden Kategorien durchgehend, statt Mitarbeiterzahlen zu addieren.

Die Branchen, die die Stadt tragen

Vier Blöcke dominieren. Versicherung und Rückversicherung, mit einer Dichte, die in Europa selten ist. Fahrzeugbau und die Zulieferer daran. Elektrotechnik und Industrieautomation. Und, jünger und schneller wachsend, Software und IT.

Die vier hängen enger zusammen, als sie klingen. Ein großer Teil der Münchner Softwarebranche verkauft an die anderen drei: Prozesssoftware an die Industrie, Personalsoftware an Konzerne, Versicherungs-IT an die Häuser vor Ort. Das ist der Grund, warum die Stadt Software-Unternehmen anzieht, die keine Endkunden brauchen.

Die Achse nach Norden und was daran hängt

Wirtschaftsgeografisch hat München eine deutliche Richtung. Entlang der Achse zwischen Innenstadt und Flughafen liegen die Forschungs- und Verwaltungsstandorte, im Norden die Werke und Entwicklungszentren, im Westen die Elektrotechnik. Der Süden und Osten sind wohnlicher und wirtschaftlich dünner besetzt.

Diese Verteilung ist über Jahrzehnte entstanden und erklärt, warum Pendelströme in München so einseitig sind: morgens nach Norden, abends zurück. Für einen Zuzug ist das die praktisch wichtigste Karte der Stadt, wichtiger als jede Viertelbewertung.

Sie erklärt auch, warum die Mieten im Norden schneller gestiegen sind als im Süden, obwohl die Viertel dort als weniger attraktiv gelten. Der Weg zur Arbeit ist in dieser Stadt ein Preisbestandteil.

Was das für Arbeitssuchende bedeutet

Die Konsequenz ist ein Arbeitsmarkt mit zwei Geschwindigkeiten. Konzernstellen sind sicher, langsam und formal, mit klaren Bändern und wenig Verhandlungsraum. Die wachsenden Softwarehäuser zahlen vergleichbar, verlangen mehr Beweglichkeit und bieten kürzere Wege.

Wer vergleichen will, sollte nicht bei der Bekanntheit anfangen. Die Zahl der Beschäftigten am Standort, das Verhältnis von Entwicklung zu Vertrieb und die Frage, ob die Stelle an einer Zentralfunktion oder an einem Vertriebsbüro hängt, sagen mehr als ein Ranking. Näher dran sind die Top-Arbeitgeber der Stadt.

Wer die Stadt wirtschaftlich prägt, ohne Konzern zu sein

Neben den großen Namen trägt München eine ungewöhnlich breite Schicht mittelständischer Unternehmen, die selten in Rankings auftauchen: Messtechnik, Medizintechnik, Spezialmaschinenbau, Verlagswesen, dazu ein großer Bereich unternehmensnaher Dienstleistungen von Wirtschaftsprüfung bis Kanzlei.

Diese Schicht ist der Grund, warum die Münchner Wirtschaft Krisen einzelner Branchen besser übersteht als Städte mit einem dominanten Industriezweig. Sie ist auch der Teil des Arbeitsmarkts, den Bewerber am häufigsten übersehen, weil die Namen unbekannt sind und die Stellen nicht auf den großen Portalen stehen.

Der Preis des Standorts

Ein Punkt gehört in jede ehrliche Darstellung der Münchner Wirtschaft: die Kosten. Die Stadt hat den teuersten Wohnungsmarkt Deutschlands, und das schlägt auf jede Gehaltsverhandlung durch. Für Unternehmen heißt das höhere Löhne, für Beschäftigte eine Rechnung, die trotz gutem Gehalt aufgehen muss.

Wer aus einer anderen Stadt herzieht, sollte deshalb die Wohnkosten vor dem Gehaltsangebot prüfen und nicht danach. Wie sich der Markt entwickelt hat, steht beim Immobilienmarkt in München.

Was diese Spur nicht leistet

Eine Wirtschaftsübersicht kann keine Anlageberatung sein und keine tagesaktuellen Zahlen liefern. Umsätze, Beschäftigtenzahlen und Rangfolgen ändern sich mit jedem Geschäftsbericht, und eine Seite, die feste Werte nennt, ist ein Jahr später falsch. Diese Spur beschreibt deshalb Strukturen: welche Branchen tragen, wie sie zusammenhängen, und woran man eine Angabe erkennt, die nichts wert ist.

Für harte Zahlen sind die Geschäftsberichte der Unternehmen, die Statistik der Stadt und die Erhebungen der Kammern die richtigen Quellen. Wer eine Rangliste liest, sollte immer zuerst prüfen, welche Kennzahl sortiert wurde und aus welchem Jahr sie stammt.

Häufige Fragen

Welche Branche ist in München am stärksten?

Nach Umsatz und Beschäftigtenzahl die Versicherungs- und Rückversicherungswirtschaft, gefolgt von Fahrzeugbau und Elektrotechnik. Software und IT wachsen am schnellsten, sind aber gemessen an Beschäftigten noch kleiner.

Warum sitzen so viele Konzerne in München?

Historisch durch die Verlagerung von Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg, dazu eine starke Hochschullandschaft, ein großer Flughafen und eine Ansiedlungspolitik, die über Jahrzehnte auf Zentralen statt auf Fertigung gesetzt hat.

Ist München ein guter Standort für Startups?

Für Software mit Geschäftskunden ja, weil die Kunden vor Ort sitzen und Kapital verfügbar ist. Für alles, was billige Fläche oder billiges Personal braucht, ist die Stadt der schlechteste Standort in Deutschland.

Wie viele Menschen arbeiten in München?

Im Stadtgebiet liegt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im hohen sechsstelligen Bereich, in der Region deutlich darüber. Ein erheblicher Teil pendelt aus dem Umland ein, weshalb Einwohner- und Beschäftigtenzahl weit auseinanderliegen.

Was verdient man in München im Durchschnitt?

Die Medianeinkommen liegen deutlich über dem Bundesschnitt und gehören zu den höchsten in Deutschland. Der Abstand wird von den Wohnkosten aufgezehrt, weshalb ein Vergleich mit einer anderen Stadt nur netto nach Miete sinnvoll ist.

Welche Rolle spielen die Hochschulen für die Wirtschaft?

Eine große. Die beiden Universitäten und die Hochschule für angewandte Wissenschaften liefern Fachkräfte und Ausgründungen, und sie sind der Grund, warum sich technische Startups hier ansiedeln, obwohl Fläche und Personal teuer sind.

Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit in München?

Sie liegt seit Jahren deutlich unter dem Bundesschnitt und gehört zu den niedrigsten unter den deutschen Großstädten. Das erklärt einen Teil des Zuzugs und einen Teil des Drucks auf den Wohnungsmarkt.

Welche Messen und Branchentreffen finden in München statt?

Das Messegelände im Osten trägt mehrere international führende Fachmessen aus Bau, Elektronik, Optik und Handwerk. Für die ansässigen Branchen sind diese Wochen der wichtigste Vertriebstermin des Jahres.

Wie gründet man ein Unternehmen in München?

Der Weg läuft über Gewerbeanmeldung beim Kreisverwaltungsreferat, Finanzamt und, je nach Rechtsform, Notar und Handelsregister. Die Kammern beraten kostenlos; der eigentliche Engpass ist in dieser Stadt die Fläche, nicht das Verfahren.

Ist München ein guter Standort für Selbstständige?

Für unternehmensnahe Dienstleistungen ja, weil die Kunden dicht sitzen und gut zahlen. Für alles, was Werkstatt, Lager oder Ladenfläche braucht, sind die Mieten das entscheidende Problem.

Wie stark ist der Tourismus für Münchens Wirtschaft?

Er ist ein erheblicher Faktor, konzentriert auf Messen, Kongresse und die Wochen um das Oktoberfest. Für die Gastronomie und den Handel in der Innenstadt trägt er den Jahresabschluss, für die Industrie ist er eine Nebenrolle.